Homosexuelle sind für sie «Kotstecher», «Homo-Gestörte» und «Gomorrhisten». Man leugnet den Holocaust, Der Spiegel wird als «antikirchliches Schmiermagazin» tituliert, eine Süddeutsche-Journalistin ein «braunes Fräulein» genannt und männliche Erzieher als «Satanismus» dargestellt. Die Internetseite kreuz.net zeichnet sich seit Jahren durch eine perfide, menschenverachtende Pseudo-Berichterstattung aus, die jedem normal empfindenen Menschen die Zornes- und Schamesröte ins Gesicht treibt.
Glücklicherweise nimmt kaum jemand Notiz von dem Online-Schmuddelblatt, dass sich als «katholische Nachrichten» bezeichnet, und das ist auch der Grund, warum die Lesben- und Schwulen-Vereinigung (LSVD) normalerweise davon absieht, Anzeige gegen die oft auch namentliche Dauer-Diffamierung zu erstatten. «Es ist nicht in unserem Interesse, ihnen zusätzliche Aufmerksamkeit zu bescheren», sagt LSVD-Sprecherin Renate Rampf.
Doch seit dem 2. Oktober ist die Aufmerksamkeit, die kreuz.net erfährt, plötzlich riesengroß. In drei Tagen, rühmen sich die Verfasser der Seite, habe ein Artikel eine Million Klicks erreicht. Dieser Artikel trägt den Titel «Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle» und es geht um den verstorbenen Entertainer Dirk Bach. Landesweite Abscheu war die Reaktion, «man sieht, dass sie vor nichts zurückscheuen, und nicht einmal im christlichen Sinne die Toten ruhen lassen», sagt Rampf.
Katholische Kirche distanziert sich
Der LSVD hat deshalb heute Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen Unbekannt bei der Berliner Staatsanwaltschaft eingereicht. Denn hinter dem peinlichen Geschreibsel steckt, laut Impressum, eine «private Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee» mit einer Anschrift in den USA. Doch die Themen auf der Seite zeigen laut Renate Rampf, dass da Leute schreiben, die sehr genau mit den Ereignissen in Deutschland vertraut sind und auch Details aus der katholischen Kirche kennen.
Diese distanziert sich öffentlich von kreuz.net: «Diese Seite hat nichts mit der katholischen Kirche zu tun, der Begriff des Katholischen wird hier aufs Gröbste missbraucht», sagt Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Auch er wünscht sich, dass den Machern von der Justiz das Handwerk gelegt wird. Es gibt Vermutungen, dass die Pius-Brüderschaft dahinter stecken könnte, doch Genaues ist der Öffentlichkeit nicht bekannt.
Verfassungsschutz zieht sich bisher aus der Affäre
Der LSVD hofft jetzt, dass die Staatsanwaltschaft durch den Druck der öffentlichen Aufmerksamkeit ihre Ermittlungen mit größerer Intensität führt als bisher. Denn dass kreuz.net sich nicht auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt, ist auch dem Verfassungsschutz aufgefallen. Im März antwortete der damalige Präsident Heinz Fromm auf eine Anfrage der Grünen, es gebe «Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung». Doch da die Seite auf den Bahamas registriert sei und die Server vermutlich in Kanada stünden, habe man keine Handhabe.
Der LSVD sieht das anders. «Man merkt, dass da Menschen schreiben, die in Deutschland leben», sagt Renate Rampf. In der Strafanzeige formuliert der Verbandsjurist Manfred Bruns es so: «In der Bevölkerung besteht der Eindruck, dass die staatlichen Behörden die demokratiefeindlichen Umtriebe rechtsradikaler Verfassungsfeinde bisher nicht mit dem erforderlichen Nachdruck verfolgt haben. Dieser Eindruck würde sich bei uns verfestigen, wenn unsere Strafanzeige einfach damit abgetan würde, dass die Webseite vom Ausland her betrieben wird.»
Vielleicht ist der miese Artikel gegen Dirk Bach ja letztlich dafür gut, der kreuz.net-Bande das Handwerk zu legen.
Quelle: Nachrichten – Gesellschaft Nachrichten – Schwule und Lesben – «Kreuz.net» wegen Volksverhetzung angezeigt