| 29.09.1995 – 700 Menschen aus dem Westen in den Osten entführt
Generalstabsmäßige Vorbereitung / Gauck-Behörde dokumentiert Fall aus den 50er Jahren
Im Auftrag des SED-Regimes hat die Stasi mindestens 700 Menschen aus dem Westen in die DDR entführt. Die Aktionen seien meist generalstabsmäßig vorbereitet und oft von Festnahmen in der DDR begleitet worden, erklärte am Donnerstag der Leiter der Forschungsabteilung der Berliner Stasi-Akten-Behörde, Klaus-Dietmar Henke.
Bei den Entführten handelte es sich meist um Menschen, die der SED ein Dorn im Auge waren und die teils in der DDR abgeurteilt wurden. Erstmals dokumentierte die Behörde einen Fall aus den 50er Jahren – Tarnname “Blitz” – umfassend.
Entführungen gab es nach Erkenntnissen der Gauck-Behörde zwischen 1949 und 1964, vor allem aber kurz vor dem Mauerbau im August 1961. Nach 1964 hätten die DDR-Machthaber auf derartige Entführungen weitgehend verzichtet, weil sie Ansehensverlust des SED-Staats gefürchtet hätten, sagte Karl Wilhelm Fricke, Mitglied der Enquetekommission im Bundestag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte.
